Eltern sind ihren Kindern gegenüber verpflichtet, bis zum Abschluss einer Erst- Ausbildung Unterhalt zu zahlen. Diese Pflicht, Alimente zu zahlen, geht einher mit der Obliegenheit des Kindes, die einmal gewählte Ausbildung mit Fleiß und Zielstrebigkeit durchzuführen und zu beenden. Dies kann auch nach einem längeren Zeitraum der Fall sein, wie das Oberlandesgericht (OLG) Celle in einer aktuellen Entscheidung feststellte.

Die Tochter, heute 25 Jahre alt, verlangt von ihrem Vater Ausbildungsunterhalt für eine Ausbildung als Kauffrau. Die Tochter hatte ihre Schullaufbahn 2007 mit dem Hauptschulabschluss beendet. Sie war damals 16 Jahre alt. Im Jahre 2008 und im Jahr 2012 brachte die Tochter zwei eigene Kinder zur Welt, die sie nach der jeweiligen Geburt selbst betreute.

Den Besuch einer Berufsfachschule hat das junge Mädchen damals zweimal abgebrochen mit der Begründung, dass sie sich neben der Betreuung der beiden Kleinkinder überfordert fühle.

Nunmehr, neun Jahre nach Schulabschluss, beginnt sie mit der Ausbildung und hat  einen Anspruch gegenüber dem Vater auf Zahlung von Unterhalt. Das OLG Celle (Aktenzeichen 17 WF 242/15) ist der Auffassung, dass die Tochter aufgrund der besonderen Situation der Betreuung der beiden kleinen Kinder ihre Ausbildung verzögert beginnen durfte. Sowohl nach dem ersten Kind als auch nach dem zweiten Kind steht der jungen Mutter jeweils eine Orientierungsphase von bis zu drei Jahren zu, in der sie ihre Ausbildung verzögert beginnen könne.

Die Mutter habe in der Betreuungszeit besondere Belastungen und Herausforderungen bewältigen müssen. Ihr Vater kannte die Situation und musste damit rechnen, dass die Tochter zumindest mit dem Kindergarten-Besuch seiner Enkelkinder eine Ausbildung beginne.

Der unterhaltspflichtige Vater mit einem Nettoeinkommen von rund 2200 Euro ist auch wirtschaftlich in der Lage, die geforderten monatlich gut 200 Euro für seine Tochter zu zahlen.