Eltern brauchen fachfremdes Studium nicht finanzieren – allgemeines Berufsrisiko

Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm hat den Unterhaltsantrag einer 28-jährigen Tochter gegenüber den Eltern mangels Ausbildungsverpflichtung zurückgewiesen.

Die Tochter besuchte bis zum Erwerb der mittleren Reife im Jahre 2007 ein Gymnasium und absolvierte parallel eine einjährige Vorbereitungszeit an der Akademie des Tanzes. 2011 schloss die Tochter im Studiengang Tanz mit Diplom ab. Von 2011-2012 war die Tochter als arbeitssuchend gemeldet und bewarb sich europaweit ohne Erfolg um eine ausbildungsgemäße Anstellung als Bühnentänzerin. Anschließend besuchte sie erneut die Schule und erwarb Ende 2014 das Abitur. Sie begann zum Wintersemester 2015/2016 ein Studium der Psychologie.

Das OLG Hamm (Entscheidung vom 15.5.2018, Aktenzeichen 7UF 18/18) weist den Unterhaltsantrag der Tochter zurück. Bei dem Studium der Psychologie handelt es sich nicht um eine im Sinne der Rechtsprechung des BGH erfolgte Weiterbildung zum bisherigen Ausbildungsgang. Zwischen dem Psychologiestudium und der Berufsausbildung als Bühnentänzerin fehle ein Zusammenhang. Die Hochschulzulassung und die einjährige Vorbereitungszeit machten deutlich, dass bei Ausbildungsbeginn keine Fehleinschätzung in Bezug auf die Fähigkeiten und Neigungen der Tochter vorgelegen habe.

Berufsrisiko nicht bei Eltern
Nach Ende der Ausbildung hätte das Kind grundsätzlich die Arbeitsmöglichkeiten als Bühnentänzerin ausnutzen und auch berufsfremde Tätigkeiten unter seiner gewohnten Lebensstellung, notfalls auch qualifizierende Hilfsarbeiten und bildungsfremde Tätigkeiten annehmen müssen. Da die Tochter nur die mittlere Reife erworben hatte, mussten die Eltern auch nicht damit rechnen, dass die Tochter später das Abitur nachholen und anschließend ein fachfremdes Studium beginnen würde.

Die Tochter trägt das Risiko, nach der von ihr autonom gewünschten Berufsausbildung keine Anstellung zu finden. Die Eltern sind hierfür nicht verantwortlich. Sie müssen daher auch keine weitere Ausbildung finanzieren.