Viele Schüler eines Gymnasiums üben neben dem Schulbesuch eine berufliche Nebentätigkeit aus, um das Taschengeld aufzubessern. Die Eltern sind entsprechend deren Einkommenslage verpflichtet, volljährigen Kindern, die noch in der Schulausbildung sind, Unterhalt zu gewähren. Dies gilt auch für Studenten bis zum 21. Lebensjahr.

Die Schüler haben bei durchschnittlichen Einkommensverhältnissen der Eltern einen Bedarf zum Beispiel für Kleidung und Nahrungsmittel in Höhe von 500 bis 600 Euro monatlich. Das Kindergeld ist hiervon abzuziehen, so dass die beiden Elternteile durchschnittlich 300 bis 400 Euro für ihr Kind aufbringen müssen.

In einem Fall in Berlin-Tempelhof hat ein 21-jähriges Mädchen, das dort das Gymnasium besucht, den Vater auf Ausbildungsunterhalt in Anspruch genommen. Als geringfügig Beschäftigte erwirtschaftete sie innerhalb eines Zeitraums von knapp sieben Monaten immerhin 2100€, also über 300 € monatlich.

Das Berliner Gericht (Kammergericht, Aktenzeichen 17 WF 12/14 vom 27. Januar 2014) hat entschieden, dass die Schülerin die Obliegenheit treffe, die Ausbildung planvoll und zielstrebig zu betreiben und den angestrebten Abschluss (Abitur) innerhalb angemessener bzw. üblicher Zeit zu verfolgen. Die Schulausbildung müsse Zeit und Arbeitskraft der Schülerin voll oder zumindest überwiegend in Anspruch nehmen. Es sei kaum denkbar, dass neben 20 Unterrichtsstunden in der Woche eine umfangreiche Erwerbstätigkeit in Betracht komme.

Fahrzeiten zur Schule, Vor- und Nacharbeiten zum Unterricht sowie erhebliche zeitliche Investitionen im Selbststudium zur Vorbereitung auf die Abiturprüfung lassen nicht erkennen, dass die Schülerin sich neben der beruflichen Tätigkeit ausreichend um die schulischen Belange kümmere.

Anders ausgedrückt: Wer 300 Euro monatlich als Schüler neben Abiturvorbereitungen erwirtschaften kann, kümmere sich nicht ausreichend um die Schule sondern vielmehr um das eigene Portemonnaie. Mit einer zielstrebigen Ausbildung habe dies nichts zu tun.

Zu beachten ist also:

Ein Schüler muss neben dem Schulbesuch nicht arbeiten, das gilt ebenso für Ferienzeiten. Arbeitet er dennoch, muss er sich die Vergütung grundsätzlich nicht anrechnen lassen. Der Schüler ist also berechtigt, Nebentätigkeiten einzustellen und sich voll auf die Schule zu konzentrieren.

Bis zum Abschluss einer Schulausbildung sind zunächst die Eltern für die Versorgung des Kindes verantwortlich. Auch wenn der Nebenjob das eigene Taschengeld deutlich aufbessert, so sind die Schüler zunächst gehalten, sich zur Deckung des Lebensbedarfs an Vater und Mutter zu wenden, bevor sie neben der Schule selbst übermäßig viel arbeiten.